Vorbereitung / Budget

Bevor man ins Studio geht, sollte man genauestens wissen, was man da eigentlich will. Das hört sich ziemlich logisch an, ist aber gar nicht so einfach. Oftmals sieht man sich plötzlich mit Problemen konfrontiert, die einem vorher nie in den Sinn gekommen wären. Dazu hier eine kleine Checkliste:

1. Was soll mit den aufgenommenen Songs anschliessend passieren? Gilt es "nur" ein Demo zu haben, oder will man gleich ein komplettes Album einspielen?

Um einen Plattenvertrag zu ergattern, lohnt es sich, gleich ein fixfertiges Album zu produzieren. Entgegen der landläufigen Meinung, man werde von einem Label entdeckt, unter Vertrag genommen und es wird einem alles (von der CD über den Videoclip bis hin zu Tour) sofort bezahlt, hat sich gezeigt, dass vorallem auch kleinere Labels lieber einen einfachen "Bandübernahmevertrag" abschliessen und einem sozusagen die Rechte am Masterband abkaufen. D.h. je weniger ein Label mit der Herstellung der CD (Aufnahmen, Mastering, Grafik) zu tun hat, desto eher ist es bereit das Produkt ins Sortiment aufzunehmen. Natürlich muss auch dabei die Qualität stimmen.
Einigt euch auf die Anzahl Songs und diskutiert sorgfältig, welche in welcher Reihenfolge auf das Band sollen. Der Hammersong sollte immer auf Platz eins kommen, da die Artist & Repertoire Manager der Plattenfirmen sich meistens auch nicht mehr anhören.

2. Sollen die Songs independent, oder doch eher radiotauglich sein?

Will man ins Studio um den live so brachialen Sound endlich mal in sauberem Studiosound auf die Spitze der Perfektion zu treiben, oder soll er möglichst rauh und live klingen?

3. Brauchen wir einen Produzenten?

Ein Produzent macht nur dann Sinn, wenn man weiss, dass dieser auch das Endprodukt so hinkriegt, wie man es selber wünscht. Allerdings lohnt es sich meistens einen erfahrenen Berater zur Seite zu haben, der nicht direkt in der Band drinsteckt. (Objektivität)

4. Sollen wir eine Vorproduktion machen?

Es scheint, als ob Vorproduktionen wieder mehr in Mode kommen würden. Natürlich machen praktisch alle grossen Bands eine Vorproduktion, doch mittlerweile nicht mehr nur diese. Eine Vorproduktion muss weder klanglich, noch spielerisch hochstehend sein. Sie dient hauptsächlich dazu, das Arrangement, die Sounds und den ganzen Song zu testen. Klingt das auch wirklich so, wie man sich das sonst im Proberaumlärm so vorstellt? Eine kleine Mehrspurmaschine und ein paar Mikrofone im Proberaum können unter Umständen bereits ausreichen. Wird zur richtigen Produktion ein Produzent hinzugezogen, sollte dieser auch bei der Vorproduktion schon anwesend sein.
Bei der Vorproduktion muss man sich dann auch schon überlegen, was für Effekte man eventuell verwenden könnte, was für Overdubs man noch zusätzlich einspielen will. Ausserdem sollte jeder Musiker wissen was er wie, wo spielen will und seine Einsätze auch beherrschen. Überraschungen und Grundsatzdiskussionen im Studio sind nervenaufreibend und kosten Geld!

5. Wieviel Zeit benötigen wir? Wie lange reicht unser Geld?

Natürlich ist dies wieder davon abhängig, was das Ziel der Aufnahmen ist. Man sollte sich aber doch überlegen, ob man das Drumset wirklich an einem Tag auf die 12 Songs draufspielen kann, ob das Budget auch für eine gewisse "Überzeit" reicht, oder ob man doch lieber nur 7 Songs aufnehmen und halt ein Mini-Album draus machen soll.

Für die Ganze Produktion, inklusive Mastering, Grafik, Lithographien, Versand, dazugehörige Merch-Artikel etc. sollte man ein Budget aufstellen. Wieviel bringt man selber ein? Zahlt Tante Frieda noch einen Teil daran? Wieviel haben wir an Gage eingespielt? Was steuert uns vielleicht eine Kulturförderung bei? Was solle der ganze Spass kosten?

6. Wann wollen wir aufnehmen gehen?

Sind zu dieser Zeit wirklich alle bei der Sache? (Z.B. Ferien eignen sich gut, um mal ein paar Wochen richtig ins Studio zu gehen) Sind wir bis zu dem Zeitpunkt auch wirklich vorbereitet?

Und vorallem sollte man immer daran denken: Bei einem Konzert ist der gespielte Fehler nach einer Sekunde vorbei und für immer verloren; bei einer Aufnahme ist und bleibt er für jeden immer und immer wieder hörbar.

 

Kurz

Man sollte sich sehr viel Zeit nehmen und die Songs tunen bis zum geht nicht mehr. Erst wenn man das Gefühl hat auf wirklich alles vorbereitet zu sein, ist man reif für's Studio. (Die Überraschungen bleiben auch so nie aus!)